The Russian DoctorsTheRussianDoctors

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13. Mai 2017, Dresden/Privat am Schützenhaus Klotzsche PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Doktor Pichelstein   
Freitag, den 19. Mai 2017 um 18:09 Uhr

100 Jahre (366)


Da in wenigen Wochen das Haus aus Stein Nummer 9 erscheint, wollen wir das 366. Tourtagebuch mal in ungereimter Gedichtform präsentieren. Wäre Pratajev am 13. Mai des Jahres 2017 am Schützenhaus Klotzsche in Dresden zugegen gewesen, er hätte es vermutlich nicht anders gemacht. So dann. Und die Bilder gesellen sich später noch dazu.

 

 

Es scheint eine Sonne so prächtig und hell

Durch die Fenster der Total-Tankstelle dringt sie

Auf Senf, auf Bockwürste prasseln Strahlen nieder

Fürst Fedja mit frisch rasierter Autotür sagt:

Das nächste Mal nehme ich einen Rollstuhlfahrer

Radfahrer hatte ich schon zwei

Und auch einen Fußgänger oder drei

Hansens Holz, lasst uns rauchen

 

 

Aus Bussen steigen Feierwehr-Leute

Sie sind betrunken und einer der Männer

Hat gleich beide Hüften schief

Ein grüner Damenrock geht vorbei

Ein Mäzen hängt am Rockzipfel

Anders herum wäre es Eishockey

Rein in die Schmette, rauf auf die Bahn

Sanftgolden neigt sich die Sonne schon

 

 

Schützenhaus Klotzsche!

Die Anlage steht bereits im Zelt

Rasch werden jüngste Geburtstagskinder geherzt

100 Jahre sind sie nun

Bulbash gibt es, eine gebrannte Doppel-CD von Manfred Krug

Nur zwei Beispiele

Mindestens 37 verschiedene Biersorten mal ausgenommen

Und all die Bücher mit dem Aufkleber „Für die Frau“

 

 

Nicht, dass da ein Mann drin liest

Nicht, dass da ein Mann noch niest

Jetzt reimt es sich doch, das Tourbuchgedicht

Wir enden jetzt nicht auf erpicht oder Gesicht

So Sachen könnte man machen

Gut jetzt, der Wirt wird taxiert

Er trägt stolz eine Flasche Dornfelder aus dem Haus

Fedja trinkt Sekt, Makarios nippt Sprudel mit was drin

 

 

Bogen sorgen für Hautabriebe und blaue Flecke

Pfeile zischen ins Ziel

Pichelsteins post-konzertale Wunde juckt

Man rät: Bulbash drauf

Nein, der wird getrunken, Fedja geht voran

Die harte Schützenhauswirtin spendiert sich Beifall

Und eröffnet das Buffet

 

 

Toast werden ausgebracht

Es schmeckt wunderbar, besticht in allen Belangen

Der Anfang wohlsortierter Nahrungspyramiden

So beginnt das Konzert knapp vor der Blauen Stunde

Niemand steht in der Ecke wie ein schlechter Geruch

Eine unauslöschliche Traube am Lagerfeuer

Es knackt, knistert, es fällt auch mal der Strom aus

 

 

Eine Herrlichkeit

Ein Schwingsport auf der Gitarre

Pratajev wird zum Psychogramm

Die Unbilden der Woche sind schneckenklein

Makarios reist durchs Land, durchs Leben

In büßergrauer Uniform ist niemand unterwegs

Aus dem Wald fragen die Feen:

Irgendwelche Wünsche?

 

 

Fedja trinkt noch keinen Pfeffi, kein Schwarzes mehr

Man strahlt sich an, Schnapslieder verlangen Gläser

Rundenweise rasen Doctoren durch die Nacht

Ein großes Weinglas flaniert umher

Howard Carpendale verliert eine Sandspur

Und bevor das vom Singvogel weiß getroffene Gefährt

Den Tross ins Hotel bewegt

Wird ein großer Dank gesungen, gesprochen, getrunken

 

 

Ende

 

PS:

 

Eine Weltpremiere gab es auch:

Tasche auf, Tasche zu

Und ein Frühstück der Helden

Von Helden, für Helden, in freier Natur

 

Klotzsche

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 19. Mai 2017 um 18:51 Uhr
 
26. März 2017, Markkleeberg-Gaschwitz/Reuters Radlerhof PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Doktor Pichelstein   
Samstag, den 01. April 2017 um 10:44 Uhr

Pichelstein in Seenot: Frühe Schnäpschen und die Folgen (365)


Herrlich, dieses Kaiserwetter. Ein wahrhaftes Frühlingswochenende bricht über die Buchmessestadt herein und darüber erhabene Doctoren werden zum Frühschoppen chauffiert. Der erste seiner Art in der gemeinsamen Geschichte. Getreu den Worten des Wunderheilers Madeiro Portugalski dünkt Pichelstein die warnende Lehre: „Frühe Schnäpschen können Folgen haben.“ Welche genau, verriet Portugalski leider nicht und so wird schließlich im Radlerhof zu Gaschwitz gegen zehn Uhr in aller Frühe die Bühne errichtet. Seit Tagen sind die Sitzplätze im Saal ausverkauft, glücklicherweise kann nach draußen hin expandiert werden. Du Sonne am Himmel, du Gute. Nach dem gar nicht mehr enden wollenden Soundcheck, der sich unter Klatschen und Lachen der bereits Anwesenden wie ein erster Konzertblock anfühlt, reicht der Wirt erlösende Kaltgetränke. Fürst Fedja kippt sich derweil Mut an, soll es doch heute zu jeder Bulbash-Sorte mikrofonierte Vorträge geben. Warum ist es etwa für dünnhäutige Veganer auf dem Weg zur inneren Heimat unbedingt wichtig, Birkenblätterchen zu verkonsumieren? Solche Fragen bedürfen der Antwort des Vertriebspaten himself. Mit tänzerischer Grazie schreitet Fedja von der Schnapsbar zur Bierbank hin und her und feilt besonnen an Mimik, Gestik, Frisur und Rhetorik.

 

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Nachdem sich letzte Plätze mit hungrigen, durstigen Leibern gefüllt haben, Berlins Forscher Eademakow die erlauchte Position des Kameravollstreckers eingenommen hat, geht’s los. Ärzte ohne Bremsen kennen kein Fahrerlager. Mit Verve prescht Makarios durchs Landleben, nimmt jeden guten Schluck mit, den Pratajev einst wortreich veredelte. Die Sektion Böhlen, gepeinigt durch allerlei Schufterei, die ein Umzug mit sich bringt, durchlebt eine Phase des Ruhens. Schließlich ist Sonntag, es geht auf Schlag zwölf zu. Rasenmäher, Bohrer und Hammer schweigen. Kein Zuhälterwagen fährt vorbei, nein, es sind Radfahrerfamilien. Pichelstein, am Fenster der Bühnenecke mit herber Mezzohärte auf die Erlenholzige eindreschend, beobachtet beim Saitenstimmen immer dasselbe Bild: Ein Mann fährt voran, eine Frau mit den Kindern hinterher. Ein Mann deutet auf den Radlerhof, braucht eine Rast, ein Bier und mehr. Doch die Frau sagt: „Nein! Wir fahren der Sonne hinterher.“ Der Mann nickt traurig. Er sieht aus wie ein Hamster im Rad, Frau und Kinder sind auch darin gefangen. Die Kinder fragen: „Sind wir bald da?“ Doch das Hamsterrad dreht sich weiter der Sonne hinterher. Na gut, sowas geht einem Gitarristen manchmal beim Konzert im Kopf herum. Schnaps wird gereicht, Riesenapplaus, Pause, Vortrag Fürst Fedja.

 

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Weitere Darbietungsblöcke in genau dieser Reihenfolge ergeben sich geflissentlich, im Schweiße baden die Doctoren über die letzte Zugabe hinaus. In einer Ecke ist ein Schild in DDR-Schrift auszumachen, darauf steht: „Der Zutritt zur Tanzveranstaltung in Niethosen und Turnschuhen ist nicht gestattet.“ Prüfende Blicke. Niemand trägt Niethose, Turnschuhe kommen aber vor. Pichelstein fühlt bereits leichte Seenot aufsteigen, die sich nach dem Verputzen eines Bauernfrühstücks kurzfristig wieder legt. Einen Trank müsste es geben, der stante pede zu kluger Nüchternheit führen würde. Wissenschaft, mit Tadel in der Stimme sei dir gesagt: Braue sowas zusammen. Nicht ohne Grund fällt diesem vor-vorletzten Tourtagebuchsatz ein leicht klagendes Vibrato anheim. Wenige Stunden später findet sich Prumskis Erbe in der Notaufnahme wieder, kann diesen unheiligen Ort aber nach graziler Wundversorgung wieder verlassen. Im Arztbericht steht geschrieben: Frühe Schnäpschen und die Folgen.

 

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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 01. April 2017 um 11:04 Uhr
 
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