The Russian DoctorsTheRussianDoctors

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05. August 2017, Pirna/Hofnacht PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Doktor Pichelstein   
Sonntag, den 06. August 2017 um 16:42 Uhr

Rasch einen Bulbash (373)


Heute ist Tag der Unterwäsche, Tag des Senfs und Menschen mit Namen Förster, sofern sie zielstrebig zur Hofnacht nach Pirna fahren und die Lange Straße 36 heimsuchen, haben allesamt Geburtstag. Hätte Pratajev uns bloß einen diesen Anlass schmückenden Vers hinterlassen, The Russian Doctors würden heute zwei Geburtstagslieder spielen.

 

 

Hofnacht in Pirna! Das Superlativ des Jahres. Es ist wieder soweit. Noch scheint die Sonne über Sachsen, Fürst Fedja liefert Vodka aus, Makarios und Pichelstein sind bereits vor Ort. Im Kreise Ulf wird nach Sichtung des Regenradars besser mal eine Plane übers Anwesen gezogen. Beim Soundcheck dann die ersten Tropfen. Der Himmel verfinstert sich, daraus wird nur ein Schauer, mehr nicht. Pirna jubelt und die Elbe bleibt im Dampferbett. Der Schnaps für die weiteste Anreise geht heute nach Franken, knapp dahinter folgt die sich bereits im Zustand höchster Lebensfreude befindliche Pratajev-Fraktion Finsterwalde. Rasch einen Bulbash, so das Motto des heutigen Tages. Die Folgen sind am Ende als durchaus interessant zu werten. Vorweggenommen: Gitarrenunterricht bei Doctor Pichelstein hätte fast zu einem Sturz in die Tiefe geführt. Auch darf die ofenreiche Zuführung eines Brot-Wurst-Schinken-Konglomerates auf einem Wandbild mit gläsernem Rahmen nicht fehlen: Bereits auf 20 Minuten Backzeit, 220 Grad justiert, verschwand das Werk samt Bild im Bratschlund. Pichelstein konnte überzeugend einwirken, schaltete das Gerät ab und verwies auf noch vorrätige Soljanka.

 

 

Rasch noch zwei Fischbrötchen von der Meile. Nebenan werden Schlager von DJ Frank Fahrenheit feilgeboten. Voll ist der Hof, das Intro läuft, schon bald vermag der Abzug von Sonne und Wolken glasklare Sterne ans Firmament zu zaubern und der Pratajev-Aufschlag beginnt. Herrlich, von Frömmigkeit keine Spur wird dichtgedrängt gefeiert, mitgesungen. Schweißumflort rast Pichelstein auf der Gitarre durchs Programm und stellt neue Pirna-Rekorde auf. Makarios beflügelt das Publikum mit gepflegter Ansage, streichelt geflissentlich manche Seele und verleiht Pratajevs Weisen höchst wissenschaftliche Anstriche. Bis zur ersten Pause geht das so, noch rasch einen Bulbash.

 

24 Minuten später folgt der zweite Aufschlag mit dem „Lied vom guten Leben“ und als die Nettospielzeit bereits in die zweite Stunde reicht, platzt am Gitarrenferrari der dicke A-Reifen. Pichelstein taumelt in den letzten toten Katzenton hinein, ab der Herzratte muss das Back-up-Erlenholz ran. „Gar nicht so leicht, eine frisch besaitete dicke E- oder A-Seite unwillentlich zu zerstören“, sagen Fachmänner vom Feldrand über derlei besondere Vorkommnisse. Nun, irgendwann ist der Zugabenblock erreicht, führt eine letzte tosende Schnapsbar zur alten Erkenntnis. Sie lautet: Sind die Stimmen zersungen, pfeift’s aus allen Lungen, oh ja, mein Freund, dann ist der Abend gelungen.

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. August 2017 um 17:02 Uhr
 
29. Juli 2017, Dürrröhrsdorf-Dittersbach OT Elbersdorf/Garten am Rittergut PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Doktor Pichelstein   
Sonntag, den 30. Juli 2017 um 17:35 Uhr

Ein Hallo ans Personal! (372)

 

Ein Hallo an die Sonne! (Ausruf eines müden Regentänzers) Konnte man in den vergangenen Tagen durchaus mit Goldfischen Gassi gehen oder doch besser: schwimmen, darf nunmehr wieder kurzzeitig über die Hitze geächzt werden. Im klimatisierten VW-Diesel wird das Land fröhlich verpestet, die Doctoren verreisen in die unendlichen Weiten des Elbersdorfer Waldes. Unerwartet gesellte sich der eigentlich verhinderte Fürst Fedja kurz vorm Start hinzu, sehr schön, denn komplett brilliert es sich am besten. Im Radio wird aus unteren Fußballligen berichtet. Erstaunlicherweise lassen sich auch beim Sprechen über die Spieler Aalens oder Lottes dieselben Attitüden wie im Oberhaus ins Mikrofon zaubern. Da ist von „schlachterprobten Denkmälern“ die Rede, von „Haudegen“, auch der „Heißsporn“ darf nicht fehlen. Man möchte es den Buchmachern der „Monster des Alltags“ gleichtun und etwa den „grasfressenden Teufelskerl“ als beschriebene Karikatur sehen wollen. Vielleicht so: Ein auf dem Rasen herumziehender harter Arbeiter mit einem Urwald auf den Unterarmen und einer reichlich verarmten Mimik. Emotionale Verstopfungsprobleme will er mit der Aufnahme von Gras lösen und gerät so beständig in diarrhöische vs. logorrhöische Zustände, die in einem draufgängerischen Emotionsharakiri münden können. Flüche wie „Scheiße“, „Verdammt“ und „Jesus“ bestimmen sein Leben. Nie wird er den sogenannten „Sprung“ zur Weltspitze schaffen. Um ins Reich der Fußballgötter zu gelangen, ist der „grasfressende Teufelskerl“ einfach nicht schlau genug. Außerdem beleidigt er ständig Jesus.



Ein Hallo ans Kaufland zu Pirna! (Ausruf der Doctoren nach 30 Minuten zähfließenden Baustellenverkehrs) Dort wird ein Signierstift erstanden; Gastgeber Uwe bestellte einen halben Karton Russian Doctors-Tonträger und die werden nun wie verabredet unterschrieben. Weiter geht’s, die Navigerätschaft ist für den Schlippenritt zum Elbersdorfer Rittergut scharfgestellt. Es wartet: das Empfangskomitee, ein imaginärer roter Teppich, eine jubelnde Dorfbevölkerung in Persona des ehemaligen Technikers der Gruppe Electra (unverwüstlich: „Die Sixtinische Madonna“, „Tritt ein in den Dom“, „Der grüne Esel“ feat. Kurt „Zungenkuss“ Demmler). Dann rein in den guten Garten, der Festanlass wird mannigfaltig beschrieben, u.a. geht’s für den Gastgeber bald in die verdiente Pension. Während bereits mit Kaltgetränken versorgte Doctoren die Bühne spielfähig schrauben, erkundet Fürst Fedja die Unterkunft. Ein umliegendes Fachwerkhaus anno 1809, sehr behaglich, Pichelstein wird sich spät in der Nacht darin noch an den Song „Beim Bücken“ erinnern müssen – denn um 1809 waren die Hausbewohner eben keine 1.89 m groß.



Ein Hallo ans Personal! (Ausruf einer Gästin beim Sichten der Doctors und der Kellner) Unterm Festzelt füllen sich die Bänke, das Dorf scheint vollzählig und erwartungsfroh versammelt. Pratajevs Erben fallen festen Händedrücken anheim. Die Igursker Weise „Wenn beringte Frauen dir die Finger brechen wollen, geize nicht mit einem Lächeln“, gilt. Schon bald soll das Buffett um die hochdekorierten Grillmeister und Inhaber des Wildschweinscheins I. Klasse eröffnet werden, kurzen Worten des Willkommens sollen wenige Kulinarik-Lieder folgen. Doch da die Caterer Sicherungsausfall und Verzögerung anmelden, startet gleich der Konzertblock.

 

Ach, wie schön. Bereits nach den ersten Trinkliedern fließen Bier, Wein und Schnaps in pratajevscher Eile die Kehlen hinunter. Promille statt Kamille! Die Kellner und Kellnerinnen kümmern sich rührend. Gleich zu Anfang werden Gassenhauer wie „Tote Katzen im Wind“ eingefordert, das akustische Pratajev-Lagerfeuer sorgt immer wieder für überbordendes, etwa wenn von Ratten, Schleim am Arm oder vom plötzlichen Kindstod nach dem Besuch eines Holzkarussells die Makarios-Rede ist. Und weil man auf dem Land spielt, darf der böse „Raucher von Bolwerkow“ nicht fehlen. Also: Augen auf bei der Partnerwahl. Ein Daumenhoch der Caterer folgt nach 1,5 Stunden Konzert: das Schmausen kann beginnen, die Schnapsbar darf verklingen.




Ein Hallo zur zweiten Runde! (Ausruf Dr. Makarios) Die „Feldmänner“ leiten sie ein, mit vor Freude flirrenden Stimmen werden die letzten Tisch-Schwatzenden zur Raison gebracht. Noch einmal Vollgasmodus für die Doctoren. Bestens mit Treibstoff versorgt, spielt sich das Set mit frischem Kräuterausdemwald-Atem unter blauem Himmel. Ein paar Nacktschnecken greifen Pichelsteins Ersatzgitarre an, andere schleimen sich an warme Stromverteilerdosen heran. Neben dem Gitarrestimmen, Trinken, Zug von der Zigarette nehmen nun also auch noch Nacktschnecken entfernen. Man hat zu tun auf der Bühne, singt und spielt sich einen Rausch an, der erst endet, als das Frotteehandtuch im Schweiße trieft und die letzte „Tote Katze“ besungen ist. Nun auf zur zweiten Futterrunde, auf zur Schlacht am guten Geschmack und Danke, liebe Gastgeber. Es war uns ein Fest.


 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 31. Juli 2017 um 17:32 Uhr
 
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