The Russian DoctorsTheRussianDoctors

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28. September 2017, Hamburg/Grüner Jäger PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Doktor Pichelstein   
Montag, den 02. Oktober 2017 um 21:00 Uhr

Yeah, yeah, yeeeeeeaaaah: Doctors-Mania in Astra-City (375)

 

Verehrte Damen und Herren, treten Sie näher! Und seien Sie dabei, wenn THE RUSSIAN DOCTORS aus Leipzig die Texte des russischen Dichterfürsten Sergeij Waschowitsch Pratalinko, genannt PRATAJEV, besingen. Freuen Sie sich auf Veterinäre aus Murmansk und die harte Wirtin. Erfahren Sie mehr über den Schlips aus Lurch und tote Katzen im Wind. Doch seien Sie gewiss: Der Kuh geht’s gut. Lauschen Sie außerdem Hendrik Peeters, der Ihnen Geschichten über die Liebe zu Schaufensterpuppen und bunten Federn präsentiert, dazu einen kleinen Ritt durch die Räudigkeiten der Lyrikgeschichte (…)

 

 

So angekündigt beginnt er für die Doctors, der staureiche Autobahn-Stolperritt mit Zug zum Millerntor. Das Ziel der Reise befindet sich genau dort, wo vor kurzem eine Armee marodierender Uniformträger während des G20-Gipfels chinesische Lösungen anbot (Vergleiche: Platz des Himmlischen Friedens, Peking, 1989) und Schwalben an Bordsteinen erschreckte. Heute ist alles friedlich, der Grüne Jäger wird per gestrenger Navidame gefunden („Hast du das gehört? Die hat gerade ihre Stimme erhoben. RECHTS HALTEN hat sie gesagt. Aber in was für einem Ton!“), Fürst Fedja findet sogar einen Parkplatz. In Hamburg, St. Pauli. Das ist in der Natur der Sache ähnlich kompliziert wie in Berlin, Prenzlauer Berg - vorweggenommen klappt gar das nächtliche Umparken zur Unterkunft tadellos. Doch bis dahin gilt es, eine „Schoenegeisterschau“ auf Touren zu bringen. Ihren Ursprung fand sie vor Jahren in der Hauptstadt, nun, da ihr ehemaliger Duncker-Impresario Hendrik Hamburger ist, findet sie erstmals in Astra-City statt. Welche Ehre für die Erben Pratajevs; sie dürfen dabei sein und sich – erneut vorweggenommen – am nächsten Morgen wie die Beatles anno Herbst 1960 fühlen.

 

 

Herbst ist es ja bereits, die Sonne erleuchtet einen Mate-Hipster, der sich beim Doc Makarios eine Kippe schlaucht. Kürzer und kürzer werden die Tage, eine Steampunk-Lampe für zuhause kann sich nicht jeder leisten. Schon dunkelt es blau, bittet ein hellsichtiger Techniker zum Dienst. Doktor Pichelstein, kein heuriger Hase auf diesem Gebiet, baut die Bühne mit einem zufriedenen Astra-Seufzer auf. Soundcheck. Backstage unter Ballons. Schon steigt er auf, der Duft einkehrender Gäste. In ihren Blicken liegt Wärme, Neugier. Sie besetzen Stühle, der Grüne Jäger verschlingt sie. Vereinzelt bemüht man auf der Suche nach „Pratajev“ das Internet; kaum jemand scheint den größten bekannten aller unbekannten russischen Landdichter zu kennen. Veränderung! So ein schönes Dur-Wort mit Aufforderungscharakter. Gibt es das auch in Moll?

 

 

Impressario Hendrik eröffnet den Abend auf magische Weise, noch mehr Menschen strömen hinein, und den Doctoren obliegt es in den nächsten Staffeln, das Wirken Pratajevs in Hamburger Herzen einzupflanzen. Dort, wo es selbstredend gedeiht und zu hellwacher Verblüffung führt. Mittenmang bedient Hendrik die Ohren des Jäger-Volkes und lässt u.a. die Ostwestfalen zum Erdogan-Vergleich in Sachen „Ziegenficken“ antreten. Kurzum: Der Komiker Oliver Welke spricht schon war, wenn er sagt: Ostwestfalen sind da sehr tolerant, und tun sowas auch nur, wenn die Ziege damit einverstanden ist. Darauf im Fetisch-Block einen „Schlips aus Lurch“, viele liebe Lieder mehr. Und Astra, Bulbash dazu, Fürst Fedjas Bühnenlieferservice gerät, konträr zum Überbringer, nicht aus dem Gleichgewicht.

 

Nach der letzten Zugabe soll es reichen. Grillteller warten, zweifelsohne kühle Getränke, und bis weiche Matratzen Heimstatt werden, soll es noch dauern. Sicher ist nur eines: Der Freitagmorgen naht, mit ihm nahen auch gleich die ersten St. Pauli-Hamburger. Rauchend stehen die Doctoren vorm Haus und werden sogleich auf der Straße erkannt: Daumen hoch, super Show. Mehrfach geschieht’s, man möchte von einer neuen „Yeah, yeah, yeeeeeeaaaah-Gefühlskultur“, von einer Doctors-Mania sprechen.

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 02. Oktober 2017 um 21:15 Uhr
 
26. August 2017, Gaschwitz/Reuters Radlerhof, Pratajev-Sommerfest PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Doktor Pichelstein   
Sonntag, den 27. August 2017 um 16:21 Uhr

Die Geschichte der Dinosaurier muss neu geschrieben werden (374)

 

Heute gilt es! Das mittlerweile 8. Pratajev-Sommerfest, jetzt auch bekannt in den Feurio-Funken der Oldie- und Schlagerwelt (MDR – das Sachsenradio berichtete und interviewte Doctor Pichelstein), möge beginnen. Man muss schon ordentlich mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um Jahr für Jahr eine solche Festivität zu stemmen. Doch je größer der Aufwand, umso besser das Gelingen: besonders sei hier die Prätorianer-Garde um Fürst Fedja erwähnt und natürlich der später am Abend noch als „Held der Arbeit“ ausgezeichnete Doctor Jeans. Nicht zu vergessen Wirt Herbert, dem Radlerhof-Impresario, stellvertretend für die heutige Location mit dem Pokal „Gaststätte des Jahres“ geadelt. Wer dreimal in nur einem Jahr The Russian Doctors auf den Hof lässt, hat sich diesen Titel redlich verdient. Aber die Doctors sind ja auch wirklich musische Zeitgenossen der angenehmeren Sorte. Keine Frage.

 

 

Fürs Fest programmiert wurde wort- und musikgewaltiges, installiert sogar eine Vodka-Cocktaillounge, in der Bulbash, die Halbgötterspeise des Pratajev-Sommerfestes, feilgeboten wird. Punkt 20 Uhr geht’s los im vollbesetzten, trink- und spielbereiten Zelt. Doctor Makarios eröffnet mit einer kurzen Rede ans Volk, rät Doctor Pichelstein anschließend, sich eine Gitarre überzuziehen. Gesagt, getan, Pratajevs Weisen erklingen und als bereits ein durstiger Mond aufgeht, übernimmt M. Kruppe die Beschallung. Es wird ein beherzter Lese-Gig quer aus den Schriften des großen russischen Landdichters. Da hängt man Pratajevs Gedanken nach, nimmt einen tiefen Schluck, beißt kräftig ins Grillfleisch und hätte manchmal, in schönster Träumerei, gerne auch so welche.

 

Tradition bei Sommerfesten ist ein artfremder Kulturbeitrag. Mit The Past Made Us One gibt’s in dieser Ausgabe Synth-Pop auf die Ohren und dass Doctor Pichelstein darunter als Ersatzkeyboarder in die Tasten greifen darf, war nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Mit kleinen, krabbeligen Ohrwürmern geht’s hernach über ins Landleben-Konzert der Russian Docs. Der Vodka fließt, eine Pipeline wird zur Bühne gebaut und dann kann es nur heißen: Wir müssen raus an die Schnapsbar.

 

 

 

In der Pause wird die Bühne umgebaut, Pokale werden überreicht, glückliche Tombola-Gewinner stehen Schlange. Nur ein Beispiel: Getrockneter Fisch und Krimsekt in einem Paket. Wann bekommt man sowas leckeres denn mal geschenkt? Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Und dann folgt er, der absolute Höhepunkt des Abends, der Vortrag des Gewinners des Forschersiegerpokals „Der Wanderer“. Christian Sievers, größter bekannter Biberforscher des Pratajev-Universums, legt eine bildgestützte Präsentation aufs Parkett und hinterher muss mindestens die Geschichte der Dinosaurier neu geschrieben werden. Applaus brandet auf, man möchte „Zugabe“ rufen! Die gibt es dann als kleine Version bis zum ersten Akt der Bauernoper Prumskis. Pichelstein eilt durch die Zeilen, singt u.a. „Ich bin die Kuschelige, ich bin so lieb, ich bin die Kuschelige, ein Herzensdieb“ – bis „Der Arme“ in gewohnt klassischer Doctors-Manier den Abend beschließt. Noch ein paar gute Mundvoll, dann setzt der Rückreise- und Hoteleincheckverkehr ein. Sofern man nicht, wie Teile der Berlin-Fraktion, besser gleich im Auto nächtigt.

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 27. August 2017 um 16:29 Uhr
 
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