The Russian DoctorsTheRussianDoctors

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26. August 2017, Gaschwitz/Reuters Radlerhof, Pratajev-Sommerfest PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Doktor Pichelstein   
Sonntag, den 27. August 2017 um 16:21 Uhr

Die Geschichte der Dinosaurier muss neu geschrieben werden (374)

 

Heute gilt es! Das mittlerweile 8. Pratajev-Sommerfest, jetzt auch bekannt in den Feurio-Funken der Oldie- und Schlagerwelt (MDR – das Sachsenradio berichtete und interviewte Doctor Pichelstein), möge beginnen. Man muss schon ordentlich mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um Jahr für Jahr eine solche Festivität zu stemmen. Doch je größer der Aufwand, umso besser das Gelingen: besonders sei hier die Prätorianer-Garde um Fürst Fedja erwähnt und natürlich der später am Abend noch als „Held der Arbeit“ ausgezeichnete Doctor Jeans. Nicht zu vergessen Wirt Herbert, dem Radlerhof-Impresario, stellvertretend für die heutige Location mit dem Pokal „Gaststätte des Jahres“ geadelt. Wer dreimal in nur einem Jahr The Russian Doctors auf den Hof lässt, hat sich diesen Titel redlich verdient. Aber die Doctors sind ja auch wirklich musische Zeitgenossen der angenehmeren Sorte. Keine Frage.

 

 

Fürs Fest programmiert wurde wort- und musikgewaltiges, installiert sogar eine Vodka-Cocktaillounge, in der Bulbash, die Halbgötterspeise des Pratajev-Sommerfestes, feilgeboten wird. Punkt 20 Uhr geht’s los im vollbesetzten, trink- und spielbereiten Zelt. Doctor Makarios eröffnet mit einer kurzen Rede ans Volk, rät Doctor Pichelstein anschließend, sich eine Gitarre überzuziehen. Gesagt, getan, Pratajevs Weisen erklingen und als bereits ein durstiger Mond aufgeht, übernimmt M. Kruppe die Beschallung. Es wird ein beherzter Lese-Gig quer aus den Schriften des großen russischen Landdichters. Da hängt man Pratajevs Gedanken nach, nimmt einen tiefen Schluck, beißt kräftig ins Grillfleisch und hätte manchmal, in schönster Träumerei, gerne auch so welche.

 

Tradition bei Sommerfesten ist ein artfremder Kulturbeitrag. Mit The Past Made Us One gibt’s in dieser Ausgabe Synth-Pop auf die Ohren und dass Doctor Pichelstein darunter als Ersatzkeyboarder in die Tasten greifen darf, war nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Mit kleinen, krabbeligen Ohrwürmern geht’s hernach über ins Landleben-Konzert der Russian Docs. Der Vodka fließt, eine Pipeline wird zur Bühne gebaut und dann kann es nur heißen: Wir müssen raus an die Schnapsbar.

 

 

 

In der Pause wird die Bühne umgebaut, Pokale werden überreicht, glückliche Tombola-Gewinner stehen Schlange. Nur ein Beispiel: Getrockneter Fisch und Krimsekt in einem Paket. Wann bekommt man sowas leckeres denn mal geschenkt? Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Und dann folgt er, der absolute Höhepunkt des Abends, der Vortrag des Gewinners des Forschersiegerpokals „Der Wanderer“. Christian Sievers, größter bekannter Biberforscher des Pratajev-Universums, legt eine bildgestützte Präsentation aufs Parkett und hinterher muss mindestens die Geschichte der Dinosaurier neu geschrieben werden. Applaus brandet auf, man möchte „Zugabe“ rufen! Die gibt es dann als kleine Version bis zum ersten Akt der Bauernoper Prumskis. Pichelstein eilt durch die Zeilen, singt u.a. „Ich bin die Kuschelige, ich bin so lieb, ich bin die Kuschelige, ein Herzensdieb“ – bis „Der Arme“ in gewohnt klassischer Doctors-Manier den Abend beschließt. Noch ein paar gute Mundvoll, dann setzt der Rückreise- und Hoteleincheckverkehr ein. Sofern man nicht, wie Teile der Berlin-Fraktion, besser gleich im Auto nächtigt.

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 27. August 2017 um 16:29 Uhr
 
05. August 2017, Pirna/Hofnacht PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Doktor Pichelstein   
Sonntag, den 06. August 2017 um 16:42 Uhr

Rasch einen Bulbash (373)


Heute ist Tag der Unterwäsche, Tag des Senfs und Menschen mit Namen Förster, sofern sie zielstrebig zur Hofnacht nach Pirna fahren und die Lange Straße 36 heimsuchen, haben allesamt Geburtstag. Hätte Pratajev uns bloß einen diesen Anlass schmückenden Vers hinterlassen, The Russian Doctors würden heute zwei Geburtstagslieder spielen.

 

 

Hofnacht in Pirna! Das Superlativ des Jahres. Es ist wieder soweit. Noch scheint die Sonne über Sachsen, Fürst Fedja liefert Vodka aus, Makarios und Pichelstein sind bereits vor Ort. Im Kreise Ulf wird nach Sichtung des Regenradars besser mal eine Plane übers Anwesen gezogen. Beim Soundcheck dann die ersten Tropfen. Der Himmel verfinstert sich, daraus wird nur ein Schauer, mehr nicht. Pirna jubelt und die Elbe bleibt im Dampferbett. Der Schnaps für die weiteste Anreise geht heute nach Franken, knapp dahinter folgt die sich bereits im Zustand höchster Lebensfreude befindliche Pratajev-Fraktion Finsterwalde. Rasch einen Bulbash, so das Motto des heutigen Tages. Die Folgen sind am Ende als durchaus interessant zu werten. Vorweggenommen: Gitarrenunterricht bei Doctor Pichelstein hätte fast zu einem Sturz in die Tiefe geführt. Auch darf die ofenreiche Zuführung eines Brot-Wurst-Schinken-Konglomerates auf einem Wandbild mit gläsernem Rahmen nicht fehlen: Bereits auf 20 Minuten Backzeit, 220 Grad justiert, verschwand das Werk samt Bild im Bratschlund. Pichelstein konnte überzeugend einwirken, schaltete das Gerät ab und verwies auf noch vorrätige Soljanka.

 

 

Rasch noch zwei Fischbrötchen von der Meile. Nebenan werden Schlager von DJ Frank Fahrenheit feilgeboten. Voll ist der Hof, das Intro läuft, schon bald vermag der Abzug von Sonne und Wolken glasklare Sterne ans Firmament zu zaubern und der Pratajev-Aufschlag beginnt. Herrlich, von Frömmigkeit keine Spur wird dichtgedrängt gefeiert, mitgesungen. Schweißumflort rast Pichelstein auf der Gitarre durchs Programm und stellt neue Pirna-Rekorde auf. Makarios beflügelt das Publikum mit gepflegter Ansage, streichelt geflissentlich manche Seele und verleiht Pratajevs Weisen höchst wissenschaftliche Anstriche. Bis zur ersten Pause geht das so, noch rasch einen Bulbash.

 

24 Minuten später folgt der zweite Aufschlag mit dem „Lied vom guten Leben“ und als die Nettospielzeit bereits in die zweite Stunde reicht, platzt am Gitarrenferrari der dicke A-Reifen. Pichelstein taumelt in den letzten toten Katzenton hinein, ab der Herzratte muss das Back-up-Erlenholz ran. „Gar nicht so leicht, eine frisch besaitete dicke E- oder A-Seite unwillentlich zu zerstören“, sagen Fachmänner vom Feldrand über derlei besondere Vorkommnisse. Nun, irgendwann ist der Zugabenblock erreicht, führt eine letzte tosende Schnapsbar zur alten Erkenntnis. Sie lautet: Sind die Stimmen zersungen, pfeift’s aus allen Lungen, oh ja, mein Freund, dann ist der Abend gelungen.

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. August 2017 um 17:02 Uhr
 
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