The Russian DoctorsTheRussianDoctors

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11. Januar 2019, Chemnitz / beXstage PDF Print E-mail
Written by Doktor Pichelstein   
Monday, 21 January 2019 20:35

Russian Doctors-DNA im Blut (400)

 

Das erste runde Bühnenjubiläum außerhalb Leipzigs. Und wo findet es statt? In Chemnitz! Nachdem eine wirklich dumme Geschichte das ehemalige FlowPo an der Brückenstraße dauerhaft zum Erliegen brachte, öffnete vor wenigen Wochen das beXstage an selber Stelle. Von innen betrachtet, eine hochambitionierte Angelegenheit. Alles ist neu, und damit soll nicht bloß „neu gestrichen“ gemeint sein. Rauchen darf man nicht mehr, und wer doch eine hausordnungswidrige Kippe befeuert, löst stante pede Löschzugalarm aus. „Die Melder sind diffus ins Mauerwerk gepflanzt worden, wo, das weiß keiner genau,“ erörtert der Club-Staff den Doctors gleich zu Anfang. Darauf ein Carlsberg, zwei Drinks und eine Lupe für den Veranstaltervertrag. Vorweggenommen: alles wurde zur größten Zufriedenheit gelöst, das Dorint-Hotel um die Ecke hatte noch drei Zimmer frei und Mikros und Stative, klar, die hat man immer dabei. Smiley.

 

 

Man träumt als Alltags-Rebell so vor sich hin und zack ist es Winter. Schmerzhaft brennt sich (mit einer gewissen Wehmut) drum alle Jahre wieder dieser eine Gedanke ein: Verdammt, wir leben auf der falschen Seite der Alpen.

 

Im Erzgebirge liegt Schnee, viel Schnee. Und da Chemnitz bei weitem nicht zum Erzgebirge gehört, liegt auch in Chemnitz so viel Schnee wie im Erzgebirge. Mit Schmackes fuhr man eben noch hindurch, durch den Schnee, nicht durchs Gebirge. Bis der BMW in der Tiefgarage verschnaufen durfte. Sein Fahrer, Fürst Fedja, eilt an diesem Tourwochenende der Zeit hinterher, mehr noch, er versucht sie zu überholen. Egal, was man probiert und noch probieren wird: Immer wird man letzter sein, völlig abgeschlagen hinten liegen. Sei es vorm Knödelteller, sei es vor der Bulbash-Flasch‘, oder sei es auf dem Weg zum Hygieneporzellan. Auch jetzt staunt Doctor Pichelstein nur, wie gottbefohlen rasch Koffer um Koffer auf die Bühne getragen werden. Doctor Makarios betrachtet das ganze kurz wie einen zu rasant ablaufenden Zeichentrickfilm, bevor es zurück ins Zelt zum Rauchen nach draußen geht. Vermutlich spinnt der Erzbischof in spe dabei ein Zitat John Steinbecks zusammen: „Man verliert die meiste Zeit damit, dass man Zeit gewinnen will.“ Doctor Pichelstein zieht derweil im Geiste einen Titel aus Prumskis "Vermächtnis an die jungen Damen im Kolchos Rote Rübe" hervor. Er lautet: „Zu fett fürs Ballett.“ Es gibt wenige Charaktere in Pratajevs Gefolge, die die Welt so kunstvoll boshaft beobachteten wie einst Anatoli Prumski.

 

 

Weil es so sehr schneite, erreichen nicht alle fleißigen Nimmt-an-der-Veranstaltung-teil-Facebook-Nutzer Chemnitz und warten in Landstrichen wie Brandenburg und Thüringen vergeblich auf eine Liveschalte. Das ist nicht schlimm, das ist nur schade, und Strafe kostet es auch nicht. Obwohl Facebook eine tolle Einnahmequelle mehr hätte, wenn all jene, die sich für ein Konzert anmeldeten und dann aus irgendwelchen Gründen unpässlich sind, einen kleinen Obolus zu entrichten hätten. Frech wäre es - und dreist, das wollen wir nicht. Umso erstaunlicher, dass trotz des Schnees viele durchkommen. Nach dem Soundcheck ist der Barlounge-Bereich bestens gefüllt. Der Club-Staff ist völlig von den Socken: „Zwar nicht pickepackevoll, doch ihr habt die bisher beste Auslastung erreicht.“ Das hört man gerne und möchte sich milde betäubt zurücklehnen. Doch nein. Voller Erlebnisgier geht’s für die Docs nach Pizza und Intro auf die große Bühne, die wie ein Strahl von 100 bunten Opferkerzen über einem Pratajev-Gedächtnisaltar leuchtet.

 

 

Fürs 400. Konzert werden die Lieder völlig neu durchgemischt. Eine Zeitreise wird’s, der allererste jemals live gespielte Titel „Da hält der Wind den Atem an“ liegt vorn im Set, schmiegt sich an „Die schöne Welt“, an „Mich wundert gar nichts mehr“, an all die unverwüstlichen Zeugnisse pratajevscher Ehrenwürde an. Der 2003er-Schneeball wird schließlich zur heißumfeierten Hit-Lawine und Romy hat Geburtstag. Die Lichtenstein-Fraktion, die KMS-Freunde und viele mehr toben in luftschnappender Verzückung, im Taumel einer Pratajev-Mania, durch den Saal. Sie haben Russian Doctors-DNA im Blut, keine Frage. Fürst Fedja, der rasende Teufelskerl, jongliert dazu mit vollen Wodkagläsern und so vergehen die Stunden rund um die Bühne. Zweikommafünf davon werden live gespielt, den Rest von der Uhr verbrennt eine durchfeierte Nacht. Und als am Schluss der Club-Staff allen ernstes sagt: „Ihr müsst das Backstage im beXstage bitte leertrinken, die Getränke sind bereits ausgebucht“, fällt einem nichts mehr ein. Außer, dass dreimal Frühstück im Dorint gebucht wurde. Für den nächsten Morgen, doch der ist noch ein wenig hin. Und als sogar der eilige Fürst Fedja zur zungeschnalzenden Ruhe kommt, da weiß man: Das Leben von der Wiege bis zur Biege ist gerecht und schön.

 

Last Updated on Tuesday, 22 January 2019 21:27
 
11. Dezember 2018, Leipzig / Privat im Stelzenhaus PDF Print E-mail
Written by Doktor Pichelstein   
Sunday, 20 January 2019 20:10

Der Loptschevsker Kalender macht’s möglich (401)

 

Vier Tage nach dem Krause-Konzert geschieht eine wissenschaftlich kaum mögliche Unglaublichkeit. Das 401. Konzert findet vor dem 400. Konzert statt. Aber so ist das nun mal, wenn man den Loptschevsker Kalender bemüht. Und sich – nebenher gesagt – noch eine kleine Privatparty aufschwatzen lässt, mitten in der Woche.

 

Konzertiert wird in einem der faszinierendsten Bauwerke der industriellen Moderne in Leipzig-Plagwitz, im Stelzenhaus. Anlass ist eine Geburtstagsfeier und gewünscht wurde ein Geburtstagslied. Die Russian Doctors erfüllen fast alle Wünsche, und so kommt es später erstmals zu Gehör, das Lied, in dem es darum geht, dass man noch nicht nach feuchter Erde riecht und deshalb ein paar Runden auszugeben hat.

 

 

 

Doch zuvor wird gespeist, gibt es Currywurst in Suppe plus Brot. Und Salat. Und Bulbash. Für jeden Wochentag einen, dann köchelt es bereits auf der wohltemperiert ausgeleuchteten Bühne. Doctor Makarios ruft das feiernde Volk in die Konzertecke. Doctor Pichelstein scheppert los, der „Rotarmist“ bewohnt ab sofort einen Keller im Stelzenhaus. Und das in einer Zeit, in der sich junge Damen mit einem Knöchelschal schmücken. Sofern er wenigstens vom Wollschwein ist, soll es uns schnuppe sein.

 

Es wird getanzt, gefeiert. Die Doctors legen rasenden Sound unters Leben und schon scheint die Sonne in jedes aufmerksame Herz. Da kann der Regen draußen noch so sehr gegen die Scheiben hämmern. Kaum einer der Gäste hatte zuvor jemals etwas über Pratajev, den Meister des russischen Sprachfloretts, gehört. Gegen Ende des Konzerts, nach ausgedehnter Pause mit massiven Zugaben im Ohr, ist das nun anders. Das Jahr darf ausklingen mit einem Lied der Russian Doctors. Mit einer Flasche Bulbash in der Tasch‘. Zu erwerben beim Don Wodkartell, wie eh und je eine liebliche Kombination aus grobem Tun und feinem Stil. Schon verabschiedet man sich vom Geburtstagskind, von der Runde. Danke, bis bald, wenn sich unsere Wege wieder kreuzen.


Last Updated on Monday, 21 January 2019 18:23
 
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